Vereinigung Alter Herren Studentischer Corps Mainz seit 1879

Franz Ludwig Graf von Kesselstadt, 1753 Trier – 1841Stadtansicht von Mainz am Rhein[1] (etwa 1827)

Prolog: Die Gründung der ersten AHSC

Mehr als 100 Corps waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gestiftet worden, als der Heidelberger Corpsstudent Friedrich von Klinggräff im Revolutionsjahr 1848 dazu aufrief, dass die Corps zur Besprechung der gemeinsamen Regeln zusammenkommen sollten.

Beim ersten Congress der Corps, der vom 15. bis 17. Juli 1848 in Jena stattfand, verständigten sich die Teilnehmer nicht nur auf gemeinsame Regeln.[2] Die anwesenden Senioren-Convente gründeten auch den ersten Corpsverband, der danach jährlich in Kösen an der Saale tagen sollte.[3]

15 Jahre später (1863) gründeten die Corps an technischen Hochschulen einen zweiten Corpsverband in Frankfurt a.M., dessen Mitglieder jährlich in Weinheim zusammenkamen.

Das Streben, Corpsstudenten aus allen deutschen Ländern in einer gemeinsamen Vereinigung zusammenzubringen, hatten nicht nur aktive Studenten. Auch examinierte Corpsstudenten, die nach dem Studium ihrem Beruf nachgingen, wollten den Kontakt untereinander pflegen, sich regelmäßig treffen und gegenseitig unterstützen.

So erstaunt es nicht, dass bereits 1856 – lange vor der Gründung von Altherrenvereinen der Corps – alte Corpsstudenten unterschiedlicher Corps zusammenkamen, um den ersten Altherren-SC zu gründen, den AHSC zu Detmold.

Noch vor dem Entstehen des Deutschen Reichs wurden weitere AHSC gegründet, beispielsweise in Hamburg, Dortmund, Hannover und Frankfurt. Es war kein Zufall, dass dies Städte waren, die zum damaligen Zeitpunkt keine Universität hatten. Das Corpsstudententum wurde dadurch in corpsfreie Städte exportiert.

Die Gründung des AHSC zu Mainz (1879)

Während des seit 1871 bestehenden deutschen Kaiserreichs wurde die Entwicklung (bis 1890) stark bestimmt von Reichskanzler Otto von Bismarck (Hannovera Göttingen). Kronprinz Wilhelm von Preußen wurde 1878 Corpsstudent (Borussia Bonn).[4]

Der Reichstag beschloss 1878 das „Sozialistengesetz“, das sozialdemokratische und sozialistische Versammlungen, Vereine und Presseerzeugnisse verbot.

Mainz-Altstadt: Winterhafen und Stadtansicht (um 1867)

Da die alte Mainzer Universität bereits Ende des 18. Jahrhunderts von den Franzosen geschlossen worden war, konnte man in Mainz nicht studieren. Mainzer, die studieren wollten, immatrikulierten sich bevorzugt an der Landesuniversität in Gießen. Unter Studenten aus Mainz waren einige Mitglieder der Gießener Corps Hassia, Starkenburgia und Teutonia. 

Mainz war zu der Zeit die größte Stadt des Großherzogtums Hessen-Darmstadt.    1879 hatte Mainz ca. 60.000 Einwohner und verfügte über 30.000 Arbeitsplätze.

Corpsstudenten, die nach dem Studium in Mainz berufstätig wurden, wuchsen bald in hohe berufliche und gesellschaftliche Positionen hinein. Sie wollten einerseits gern Kontakte mit anderen Corpsstudenten pflegen und sich gegenseitig fördern. Andererseits wollten sie sich in der Mainzer Öffentlichkeit als Corpsstudenten bekennen und sich bürgerschaftlich engagieren.

Im Oktober 1879[5] gründeten Corpsstudenten in Mainz den AHSC, den 12. AHSC in Deutschland.

Auszug aus der Chronik des AHSC Mainz, erstellt von Prof. Dr. Martin Dossmann - Stand 01.2020

[1]   Ölbild (auf Holz) von Franz Ludwig Graf von Kesselstadt (1753-1841) unten datiert „1827“.

[2]   Die Corps wurden in den Beschlüssen definiert als „brüderliche Vereinigungen von Studenten, ohne den einzelnen Mitgliedern eine bestimmte politische Richtung vorzuschreiben.“ Dieser Grundsatz – als bewusste Abgrenzung zur Burschenschaft – gilt unverändert bis zum heutigen Tag.

[3]    Anwesend waren die SC zu Breslau, Erlangen, Gießen, Göttingen, Greifswald, Halle, Heidelberg, Jena, Leipzig und München. Die SC von Freiburg und Kiel ließen sich vertreten.

[4]    Kronprinz Wilhelm war Schleifenträger (wie alle Mitglieder der Fürstenhäuser).

[5]    Das genaue Datum ist zwar nicht bekannt, aber es dürfte um den 12.10.1879 gewesen ist.